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Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg

Virtuelle Interviews
Passend zum Thema, das jedes Schülerjazzfestival besitzt, gibt es immer ein virtuelles, bzw. fiktives Interview im Programmheft, das auf eine etwas lockere Art und Weise über den jeweiligen Musiker informieren soll. Diese Interviews können hier nachgelesen werden. Sie dürfen unter Nennung des Autors gern zu pädagogischen Zwecken weiterverwendet werden.
Die Themen: 2009 Cole Porter, 2007 Antonio Carlos Jobim, 2006 Count Basie und 2005 George Gershwin.
2009: Cole Porter
Herr Porter, sie kamen in Peru zur Welt.
Das ist leider nicht halb so exotisch wie es klingt. Peru ist ein kleines Kaff im amerikanischen Bundesstaat Indiana, circa 30 Kilometer nördlich von Indiananapolis.
Dort wurden Sie in eine sehr reiche Familie geboren. Erklären Sie uns, wie Sie zu Ihrem Namen kamen?
Aber sicher. Meine Mutter hieß Kate Cole, mein Vater Sam Porter. Mein Name setzt sich also aus den beiden Nachnamen meiner Eltern zusammen. Etwas ungewöhnlich, aber das passte zu mir.
Wo wurden Sie ausgebildet?
Ich habe an der berühmten Yale-University studiert, mich aber dort schon mehr der Komposition und Einstudierung von Musicals für interne Aufführungen gewidmet als dem Studium. Später war ich noch ein Jahr in Harvard und habe Jura belegt, aber wohl eher auf Druck meines Großvaters als aus eigenem Interesse. Das habe ich dann schnell wieder sein lassen.
Sie waren ja in den 20er und 30er Jahren in Europa ein Teil des so genannten "jet set".
Das war schon eine tolle Zeit. Meine Frau und ich waren in der High Society zu Hause. Wir feierten Partys in Venedig, Paris, Antibes, New York und waren fast nur unterwegs. Teilweise war das ein richtiger Stress.
Wir haben Mitleid. Aber Sie haben ja auch hart für Ihren musikalischen Erfolg gearbeitet, obwohl Sie den finanziell gar nicht nötig gehabt hätten.
Das stimmt. Selbst auf meinen Weltreisen auf den Kreuzfahrtschiffen hatte ich feste Arbeitszeiten zum Texten und Komponieren für die aktuellen Projekte.
Am Broadway hat man Sie und die Lieder, die Sie für Ihre Shows geschrieben haben sehr lang ignoriert. Das hat sich Mitte der 30er Jahre dann geändert.
Zum Glück. Spätestens seit Broadway-Produktionen wie "Gay Divorce", "Anything goes" und "Kiss me, Kate" hatte ich den Erfolg, den ich mir immer erwünscht hatte.
Was würden Sie als das Charakteristische an Ihren Liedern ansehen?
Das ist eine schwere Frage. Können das nicht andere besser beurteilen? Na gut, ich will es versuchen. Das ständige Changieren zwischen Dur und Moll ist sicher typisch für mich, da habe ich ein Faible dafür. Außerdem habe ich immer versucht, einfache und gleichzeitig eingängige Melodien zu schreiben, die oft ganz bestimmten Sängerinnen oder Sängern auf den Leib geschneidert waren.
Haben Sie damit gerechnet, dass Ihre Lieder von den Jazzmusikern adaptiert werden würden?
Nun gut, der Jazz war ja seit den "Roaring Twenties" en vogue, und so sind meine Songs auch von der Rhythmik und dem Sound des Jazz inspiriert. So passt es auch, dass die Jazzer die Lieder interpretieren. Meiner Meinung nach ist vor allem die kongeniale Aufnahme von Ella Fitzgerald "Ella Sings The Cole Porter Songbook" ein Muss für alle, die sich mit meiner Musik beschäftigen wollen.


Nach dem Tod seiner Frau Linda und einer Beinamputation als Spätfolge eines schweren Reitunfalls starb Cole Porter 1964 im Alter von 73 Jahren vereinsamt in Santa Monica, Kalifornien.
© 2009 by Jochen Scheytt
Das Interview als pdf zum Downloaden und Ausdrucken.
2007: Antonio Carlos Jobim
Herr Jobim, Sie sind der Komponist des berühmten...
..."Girl from Ipanema", ja, ja, ich weiß. Es ist schon erstaunlich, dass man immer nur auf ein Stück reduziert wird. Wenn Sie wüßten, wie viele Kompositionen ich im Laufe meines Lebens geschrieben habe.
Um noch ein Klischee zu bemühen: Sie gelten als der Erfinder des neuen Musikstils Bossa Nova.
Ja, schon, aber wissen Sie, man kann einen Musikstil nicht einfach so erfinden. Das ist ein Entwicklungsprozess, der über viele Jahre geht, und bei dem verschiedene Elemente zusammengeführt werden.
In diesem Fall wohl die brasilianische Musik, also Samba, und Jazz. Bossa Nova bedeutet aus dem Portugiesischen übersetzt so viel wie "neue Welle". War die Musik damals wirklich so revolutionär neu?
Für die Brasilianer sicherlich nicht in dem Maße wie für die Amerikaner, die mit lateinamerikanischer Musik größtenteils noch nie in Berührung gekommen waren. Es war ja ein richtiger Hype, der 1962 entstand, als ich mit einigen Kollegen in die USA reiste und wir Konzerte unter anderem mit Frank Sinatra und Stan Getz gaben.
Eigentlich erstaunlich, da es sich ja eigentlich um einen recht intimen Musikstil handelt. Auch der Gesangsstil ist ganz zurückgehalten.
Da haben Sie schon Recht. Es passt eigenlich nicht zum amerikanischen Schneller, Höher, Weiter. Wahrscheinlich hat die Musik einfach einen besonderen Nerv getroffen. Aber gerechnet hatte mit diesem Riesenerfolg keiner.
Ein anderes, berühmtes und viel gespieltes Bossa-Nova-Stück ist "Black Orpheus" von Luis Bonfá. Wenn ich recht informiert bin, waren Sie da trotzdem involviert.
"Black Orpheus", oder portugiesisch "Orfeu negro" war ein Film, der 1959 in die Kinos kam. Er interpretierte die antike Sage von Orpheus und Eyridike neu vor dem Hintergrund des brasilianischen Karnevals. Luis und ich haben die Filmmusik dazu geschrieben. Das war ein wichtiger Baustein auf dem Weg zum neuen Stil.
Würden Sie auch sagen, dass ihre Zeit in verschiedenen Nachtclubs in Rio de Janeiro ein wichtiger Baustein für Sie als Musiker war?
Sie haben sich ja gut über mich informiert. Ich habe tatsächlich in jungen Jahren in Nachtclubs gespielt, so wie die Jazzer damals in New Orleans. Nachdem ich mein Architekturstudium aufgegeben hatte, brauchte ich einfach auch Geld.
Geldsorgen hatten Sie ja keine mehr, nachdem Sie das "Girl from Ipanema" - entschuldigen Sie wenn ich nochmal darauf zurückkomme - geschrieben hatten. Das "Girl" gilt ja als eines der meistgespielten Stücke auf diesem Planeten überhaupt.
Wenn Sie das so sagen, muss ich Ihnen das wohl glauben.


Antonio Carlos Jobim starb 1994 im Alter von 67 Jahren in New York an einem Herzinfarkt.
© 2007 by Jochen Scheytt
Das Interview als pdf zum Downloaden und Ausdrucken.
2006: Count Basie - der legendäre Bigband-Leader
Herr Basie, Ihr Vorname ist doch wohl nicht Count, oder?
Nein, nein. Ich heiße William. Der Count kam erst nachträglich.
"Count" bedeutet ja "Graf". Man hat Sie damit ja irgendwie in eine Art Adelsstand versetzt.
Das stimmt. Da bin ich aber nicht der Einzige gewesen. Denken Sie nur an Duke Ellington, Nat King Cole oder aber Benny Goodman, den wir alle nur den King of Swing nannten.
Die waren als Musiker genauso einflussreich wie Sie. Stimmt es, dass Sie die heute immer noch gültige Bigband-Besetzung entwickelt haben?
Da war ich sicher daran beteiligt, aber im Alleingang kann man so etwas nicht machen. Wissen Sie, das wächst im Laufe der Zeit und oftmals sind auch Einflüsse von außen maßgeblich.
Wie zum Beispiel?
Dadurch dass wir in immer größeren Räumlichkeiten, auch in Tanzsälen, gespielt haben, musste auch die Größe der Bands wachsen, um die Räume klanglich zu füllen. Außerdem wurde in den 30er Jahren der Jazz immer mehr von den Weißen gespielt, die natürlich bessere Notisten waren, dafür aber nicht so gut improvisieren konnten. Das Vorhandensein von Noten förderte eine einheitliche Besetzung.
Sie hatten damals eine Band in Kansas City. Das liegt ja mehr in Richtung Süden, wo der Jazz entstand. Die Erfolge feierten die Big Bands aber eher im Norden, z.B. in New York.
Wir haben uns damals in Kansas sehr wohl gefühlt. Da war alles noch nicht so kommerzialisiert und wir konnten in Ruhe unseren Stil entwickeln.
Wie sah der aus?
Noch sehr vom Blues beeinflusst, mit viel rhythmischem Drive und vielen Riffs, diesen kurzen, immer wiederholten Phrasen; einer alten Technik schon der Blues- und Boogiepianisten.
Legendär sind Sie ja aber auch wegen Ihres sparsamen Klavierspiels. Wie kamen Sie dazu?
Ich war einfach zu faul mehr zu spielen. Nein, das war Spaß. Sie können sich ja sicher vorstellen, dass es in einer Big Band keinen Sinn macht, am Klavier dauernd zu spielen, man hört Sie ja eh nicht. Da sucht man eher die Lücken. Außerdem habe ich die Band ja vom Klavier aus geleitet, was bedeutet, dass man nicht immer beide Hände auf den Tasten hat. Wahrscheinlich habe ich diese Sparsamkeit dann auch für die Soli so übernommen.
Sie haben bis zum Schluss Swing mit ihrer Big Band gespielt, obwohl sich der Jazz ja enorm weiterentwickelt hatte.
Wissen Sie, ab einem gewissen Alter muss man die ganzen Neuerungen nicht mehr unbedingt mitgemacht haben. Mein Motto war mein ganzes Leben lang: keep swinging!


Count Basie starb 1984 im Alter von fast 80 Jahren an Krebs. Die Count Basie Big Band existiert heute noch.
© 2006 by Jochen Scheytt
Das Interview als pdf zum Downloaden und Ausdrucken.
2005: George Gershwin - ein Musiker zwischen Klassik und Jazz
Herr Gershwin, woher stammen Sie?
Ich bin der Sohn russischer Einwanderer in New York. Mein Vater hieß noch Gershovitz, nicht Gershwin.
Wie kamen Sie zur Musik?
Schon als Jugendlicher arbeitete ich als Pianist in einem Musikverlag und stellte dort am Klavier die neuesten Broadway-Songs vor.
Waren Sie auch selbst am Broadway erfolgreich?
Ja, später schrieb ich viele erfolgreiche Broadway-Musicals, die meisten zusammen mit meinem Bruder Ira, der die Texte beisteuerte. Am bekanntesten sind aber meine klassischen Kompositionen wie die "Rhapsody in Blue" oder "An American in Paris". Auch meine Oper "Porgy and Bess" wird heute noch viel gespielt.
Dann waren Sie also gar kein Jazzmusiker?
Im Grunde nicht, obwohl ich im New York der 20er und 30er Jahre viel mit dem Jazz in Berührung kam, der dort mit den Big Bands seine ersten Erfolge feierte. Ich habe viele jazzige Elemente in meine Songs und Kompositionen übernommen.
Ist das der Grund warum viele Ihrer ursprünglich Musical-Songs nun zu sogenannten Jazz-Standards geworden sind?
Ich denke schon dass das damit zu tun hat. Die Jazzmusiker haben sich aber in der Vergangenheit nicht nur bei mir bedient; auch andere Broadway-Komponisten wie Richard Rodgers, Jerome Kern oder Cole Porter, um nur einige wenige zu nennen, kommen im Repertoire der Jazzmusiker oft vor. Das hat sich in New York damals einfach ganz natürlich vermischt. Wenn die Musiker aus den Broadway-Shows kamen und in die Jazzclubs weiterzogen, haben sie oft die gleichen Songs gespielt, nur diesmal jazzig und mit viel Improvisation.
Sie hatten aber doch auch einen speziellen Bezug zur Musik der Afro-Amerikaner?
Sicher! Ich war fasziniert von ihrer eigenen Tonsprache, von ihrer Rhythmik und ihrer Improvisationsfähigkeit. Das ging soweit, dass ich in den amerikanischen Süden fuhr und den Schwarzen wochenlang zuhörte und Studien betrieb, also versuchte das aufzuschreiben, was ich hörte. Ich habe das dann für meine Oper "Porgy and Bess", die im afro-amerikanischen Milieu spielt, verwendet. Mein wohl berühmtester Song "Summertime" stammt auch aus dieser Oper, die vor 70 Jahren uraufgeführt wurde.
Haben Sie noch mehr Werke geschrieben, die auf direktem Weg die beiden Kulturen - die der Weißen und die der Schwarzen - miteinander verbinden?
Nein, leider nicht. Ich hatte zwar noch Pläne, konnte sie aber nicht mehr ausführen.


George Gershwin starb 1937, zwei Jahre nach der Uraufführung von "Porgy and Bess", in Kalifornien im Alter von nur 38 Jahren an einem Gehirntumor.
© 2005 by Jochen Scheytt
Das Interview als pdf zum Downloaden und Ausdrucken.
 
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