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Bericht vom 13. Schülerjazzfestival Stuttgart 2011
Monk beim Schülerjazzfestival
Stuttgart. Zum 13. Mal fand am 30. und 31. März 2011 unter dem Motto Thelonious Monk das Stuttgarter Schülerjazzfestival statt, bei dem an zwei Tagen insgesamt neun Schulbands das Publikum bestens unterhielten.
Thelonious Monk war ein Musiker mit Ecken und Kanten. Seine Kompositionen und Improvisationen am Klavier spiegelten diese Charakterzüge oft eins zu eins wieder. Harmonisch und rhythmisch vertrackt sind seine Musikstücke, und oft auch noch mit bebop-ähnlichen Phrasen gespickt. Keine leichte Aufgabe also für die Workshopleiter beim diesjährigen Schülerjazzfestival, diese Werke in schüler-taugliche Arrangements zu verwandeln, die diese Schüler in nur vier Stunden Workshoparbeit lernen können. Aber es gelang den insgesamt sechs Workshopleitern auch dieses Mal wieder scheinbar problemlos, was man an den Auftritten der Workshopbands in den abendlichen Abschlusskonzerten sofort hören konnte.
Die Arbeit mit den Workshopbands ist der zentrale Baustein im Konzept des Schülerjazzfestivals, das von Jochen Scheytt gemeinsam mit Stefan Kemper geleitet wird. Werner Acker, Silvie Fazlija, Uli Gutscher, Tilman Jäger, Oliver Leicht und Christian Meyers zeichneten in diesem Jahr für die Workshoparbeit verantwortlich. Sie arrangierten je einen Titel von Monk für die zu betreuende Workshopband, führten die Workshops durch und leiteten auch die Auftritte der Workshopbands im Abschlusskonzert. Hierbei demonstrierten sie durch ihre engagierte und konzentrierte Leitung, wie Schülerinnen und Schüler auf der Bühne zu Höchstleistungen zu bringen sind.
Diese Schülerleistungen waren auch in diesem Jahr wieder erstaunlich, nicht nur im Zusammenspiel, sondern auch in der Improvisation. Das Improvisieren mit einfachen Mitteln gehört zu den in den Workshops vermittelten Inhalten. Viele der jungen Musiker, die da auf der Bühne standen, spielten zum ersten Male vor Publikum ein frei improvisiertes Solo, und das vor dieser doch beeindruckenden Kulisse des Großen Konzertsaals der Musikhochschule. Dafür holten sie sich zu Recht auch großen Applaus ab.
Festivalleiter Jochen Scheytt begrüßte die Schulbands und ihre Leiter schon am Vormittag an der Musikhochschule. Am Mittwoch waren dies Schulcombos aus Kirchheim unter Teck, Königsfeld im Schwarzwald, Mannheim, Pfinztal bei Karlsruhe und St. Georgen. Am Donnerstag Schul-Bigbands aus Crailsheim, Engelberg bei Schorndorf, Esslingen und Stuttgart Bad Canstatt. Nach einer kurzen Besprechung, bei der die Schüler aus unterschiedlichen Schulen zu Workshopsbands zusammengefasst wurden, ging es auch schon an die Arbeit. Zwei mal vier Stunden Workshop, unterbrochen nur durch ein gemeinsames Mittagessen in der Mensa der Hochschule. Nach einer Saalprobe am Nachmittag und der Probe der Festivalbigband ging es dann auch schon an die Vorbereitung auf das Abschlusskonzert. Ein langer Tag also für alle Beteiligten, die trotzdem im Konzert nicht den Hauch von Müdigkeit spüren ließen.
Der Schuljazzbeauftragte Jochen Scheytt, der auch durch die beiden Konzerte führte, bedankte sich in seiner Anmoderation bei den Personen und Institutionen, die das Festival überhaupt ermöglichen. Hier ist natürlich zuerst die Musikhochschule Stuttgart zu nennen, die das Festival jedes Jahr in ihren tollen Räumen möglich macht. Aber auch die weitere finanzielle Unterstützung durch die Schulsitftung Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart sind wichtige Eckpfeiler im finanziellen Korsett.
Die Jazzcombo des Schlossgymnasiums Kirchheim unter Teck unter der Leitung von Jochen Scheytt begann dann im Mittwochskonzert den Reigen der Auftritte der Schulcombos, die immer im Wechsel mit den eingangs erwähnten Workshopbands auftraten. Die Kirchheimer Band, bestehend aus Rhythmusgruppe und drei Bläsern, begann mit einem souverän vorgetragenen "St. Thomas" von Sonny Rollins. Beim zweiten Titel "Funky Monks" zeigten die Musiker aber, welcher Musikstil ihnen besonders am Herzen liegt. Sie sprühten geradezu vor Spielfreude und übertrugen dies auf das begeisterte Publikum. Als nächste Schulband war die Jazzband der Zinzendorfschulen Königsfeld an der Reihe. Sie hatten eine Sängerin und einen Sänger mitgebracht, die bei den perfekt für sie ausgesuchten Titeln brillieren konnten. Nach einem klangschön und stilsicher vorgetragenen "Worksong" von Nat Adderley war selbst Michael Bublés "Feeling Good" für den Solisten nicht zu hoch gegriffen und stellte ein Highlight des Abends dar. Begleitet wurden die beiden Solisten von der solide spielenden Band.
Die Jazz-Combo des Ludwig-Marum-Gymnasiums Pfinztal sorgte dann für den spieltechnischen Glanzpunkt des Abends. Wie die fünf jungen Musiker zusammenspielten, auf welch hohem Niveau sie komplexe Grooves mit feinen solistischen Einzelleistungen kombinierten, das hatte Klasse. Ganz andere Schwerpunkte setzte die TSG-Jazzcrew des Thomas-Strittmatter-Gymnasiums St. Georgen. Sie war die größte Band des Abends mit gut 12 Bläsern und wie die Band aus Königsfeld sehr auf die Begleitung ihrer Solisten ausgerichtet. Auch die hatten Format und präsentierten energiegeladene Versionen von zwei Bigband-Klassikern "Mack the Knife" und "Route 66". Den Abschluss machte die Impro-AG des Elisabeth-Gymnasiums Mannheim, geleitet von Hugo Fuchs. Sie hatten sich ganz auf Stevie Wonder verlegt und was die Band dann samt Frontfrau auf die Bühne legte, hätte sicherlich auch dem guten Stevie gefallen. Mit unglaublich viel Druck und gutem Groove, mit Stimmpower und stilistisch sicher präsentiert, konnte im Saal niemand ruhig sitzen bleiben.
Bedingt durch die große Zahl von Sängerinnen und Sängern konnte am Mittwoch ein Gesangsworkshop eingerichtet werden, der von Silvie Fazlija geleitet wurde. Was die sechs Sängerinnen und zwei Sänger dann - am Klavier von Tilman Jäger stilsicher begleitet - präsentierten: den Monk-Titel "In Walked Bud", erzeugte bei den meisten Besuchern Gänsehaut. Überzeugend im Ensemblegesang und jeder mit einem kleinen und feinen Solo, begeisterten die acht das Publikum.
Den traditionellen Schlusspunkt des Konzerts bildete wie immer die Festival-Bigband, bei der alle Schülerinnen und Schüler gemeinsam musizierten. Mit Monks "Straight No Chaser" wurde das Publikum nach Hause entlassen.
Im Konzert am Donnerstag machte die Big Band der Waldorfschule Engelberg unter Leitung von Harry Schröder den Anfang. Schon bei "Take The A-Train" zeigte die Big Band, dass sie neben einer noch sicheren Rhythmusgruppe auch einen kompakten und klangschönen Bläsersatz besitzt. Im Folgenden trat auch ihre souverän und mit viel Ausdruck singende Sängerin in Aktion. Abgerundet wurde der Auftritt von einer groovenden Version von "The Chicken". Auch die nächste Band, das Jazz-Ensemble des Albertus-Magnus-Gymnasiums Stuttgart, das von Margit Mutschler geleitet wird, gab drei Stücke auf hohem Niveau zum Besten. Die Big Band überzeugte sowohl bei den Swing-Klassikern wie "Tuxedo Junction" oder "Caravan", wie auch bei Joe Zawinuls Funkrock-Klassiker "Bird-land".
Wolfgang Schmid leitete die Big Band des Albert-Schweitzer-Gymnasiums Crailsheim, die als dritte Band an der Reihe war. Auch sie hatten sich gesangliche Unterstützung mitgebracht. Die Sängerin der Band stach bei "Hit the Road, Jack" durch einen dem Inhalt des Songs entsprechenden, energiegeladenen und trotzdem charmanten Auftritt hervor. Die sehr intonationssichere und spielstarke Big Band zeigte dann auch, dass sie im Bereich der Latin-Rhythmen zu Hause ist und setzte mit "Mambo al Dente" von Peter Herbolzheimer einen wirkungsvollen Schlusspunkt. Ganz dem klassischen Bigband-Swing hat sich die Jazzband des Theodor-Heuss-Gymnasiums Esslingen verschrieben. Die Band, die von Albrecht Nissler geleitet wird, stieg mit dem Klassiker "Sing, Sing, Sing" ein, bei dem der Drummer gleich sein Können beweisen durfte. Aber auch die restliche, nicht ganz in Bigband-Stärke angetretene Band zeigte im weiteren Verlauf, dass sie ihr Metier beherrscht. Souverän meisterten die Schülerinnen und Schüler die arrangement-technischen Feinheiten der Swing-Klassiker "All Of Me" und "It Don't Mean A Thing".
Anschließend war wieder Zeit für die Festival-Bigband, und zwar wie am ersten Abend mit "Straight No Chaser" von Thelonious Monk. Mit diesem tollen Bild von einer vollen Bühne und dem Sound von 80 Musikern ging das 13. Schülerjazzfestival zu Ende.
Zum Schluss lud Jochen Scheytt die Zuhörer für das nächste Jahr wieder ein. Am 28. und 29. März 2012 wird das 14. Schülerjazzfestival an der Musikhochschule stattfinden. Ein Termin, den man sich gleich vormerken sollte.
Jochen Scheytt
 
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