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Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg




Bericht vom 12. Schülerjazzfestival Stuttgart 2010
Ausverkauftes Haus beim 12. Schülerjazzfestival
Stuttgart. Das Schülerjazzfestival ging am 24. und 25. März in seine zwölfte Auflage. Sechs Schülerbands, sowie die beiden Gast-Bigbands, die Landes-Lehrer-Bigband Baden-Württemberg und die SWR Big Band, begeisterten dabei das Publikum.
Zum zehnjährigen Jubiläum des Schülerjazzfestivals 2008 waren zu den teilnehmenden Schülerbands erstmals Gast-Bigbands als besondere musikalische Leckerbissen eingeladen worden. Das waren damals die Big Band der Musikhochschule Stuttgart und die SWR Big Band gewesen. Nach nur zwei Jahren durfte der Leiter des Festivals, Jochen Scheytt, die SWR Big Band erneut begrüßen. Zweite Gast-Bigband war dieses Mal die Landes-Lehrer-Bigband Baden-Württemberg.
Neben den beiden Gast-Bigbands waren an den beiden Tagen insgesamt sechs Schulen mit ihren Schul-Bigbands vertreten. Diese kamen aus Aalen-Wasseralfingen, Böblingen, Ettenheim, Freudenstadt, Rottenburg und Stuttgart. Die Konzeption war dabei die gleiche wie in den letzten Jahren. Was die Schülerinnen und Schüler in den Workshops am Tage bei den Workshopleitern Werner Acker, Uli Gutscher, Tilman Jäger und Klaus Graf lernten, präsentierten sie dann abends im Abschlusskonzert. Dazu hatte jede Schülerband die Gelegenheit, einen kurzen Ausschnitt aus ihrem eigenen Programm zu spielen.
Wie auch schon in den letzten Jahren war die Leistung dieser so genannten Workshopbands in den beiden Abschlusskonzerten sehr bemerkenswert. In nur vier Stunden Workshoparbeit hatten die Dozenten in diesen neu zusammengestellten Schülerbands ein von ihnen selbst geschriebenes Arrangement eines Ray-Charles-Titels geprobt und die Schülerinnen und Schüler mit den Grundlagen der Improvisation vertraut gemacht. Und es war wirklich beeindruckend zu sehen und zu hören, wie dies dann abends bei den Ray-Charles-Klassikern "What'd I Say", "Georgia On My Mind", "Unchain My Heart" und "Hit The Road, Jack" fast perfekt klappte. Schön war auch zu beobachten, mit welchem Engagement die Workshopleiter die Schüler anleiteten und sich freuten, wenn die Aufführung erfolgreich verlaufen war.
Am ersten Festivalabend, dem Mittwoch, trat die Miniband des Albert-Einstein-Gymnasiums Böblingen unter ihrem Leiter Johannes Stephan als erste Band auf die Bühne. Der Titel Miniband bezieht sich hier auf die Altersstruktur der Band und nicht auf die Zahl der Mitspieler, die mit 37 dann auch sehr hoch war. Doch auch die Sechst- bis Zehntklässler spielten schon wie die Großen und überzeugten bei "Jive At Five" und "Tiger Of San Pedro" mit präzise spielenden Bläsern und einer prima Rhythmusgruppe. Christoph Breithack leitete die Jazz Chillers - die Big Band der Heimschule St. Landolin aus Ettenheim. Mit viel Spielfreude und Können ging die Band ans Werk präsentierte neben einem originellen Arrangement von "Amazing Grace" den wirkungsvollen Gesangtitel "Orange Coloured Sky", bei dem die Gesangsolistin ihre Qualitäten voll ausspielen konnte. Den Abschluss machte die Big Band des Kepler-Gymnasiums Freudenstadt unter der Leitung von Christof Ruetz, die einen wirkungsvollen Schlusspunkt setzte. Bei "All Of Me" noch sichere Begleitung der souveränen Sängerin, war die Band bei "The Chicken" dann voll in ihrem Element, und die Rhythmusgruppe groovte sich mit viel Spielfreude - unterstützt von einer Vocal-Percussion-Einlage - durch den Funk-Klassiker.
Im zweiten Teil folgte der Auftritt der Landes-Lehrer-Bigband Baden-Württemberg. Diese Band wird seit 2001 von Prof. Tilman Jäger geleitet. Schon beim ersten Titel "(It's Just) Talk" von Pat Metheny sprang der Funke auf das Publikum im zu circa zwei Dritteln gefüllten Konzertsaal der Stuttgarter Musikhochschule über. Die hervorragende Big Band wechselte bei ihren sieben Titeln gekonnt zwischen traditionellem Swing, Funk und Latin, und zwischen fetzigen Bläser-Sätzen und Solo-Features. Höhepunkte waren sicherlich die Soli der beiden Saxofonisten Stefan Zenth und Werner Englert und des Gitarristen Michael Vliex. Der Sänger der Big Band Klaus-Dieter Mayer sang zum Abschluss drei Titel, darunter das im Original von Roger Cicero interpretierte "Zieh die Schuh aus" und den wunderbar ironischen "TV Blues", bei dem die Band noch einmal zeigen konnte, welche Energie und Spielfreude in ihr steckt.
Für die Schülerinnen und Schüler kam der große Moment dann anschließend. Die Bläser aller beteiligten Schulbands durften sich zur Landes-Lehrer-Bigband auf die Bühne begeben und das Festival-Bigband-Stück "Hallelujah, I Love Her So" von Ray Charles gemeinsam spielen. Von Tilman Jäger geleitet setzte dieses wirkungsvoll arrangierte Stück den Schlusspunkt unter ein langes aber eindrückliches Konzert und einen langen Tag für die Schülerinnen und Schüler.
Am Donnerstag eröffnete die Big Band des Zweiten Städtischen Gymnasiums Rottenburg vor völlig ausverkauftem Haus den Konzertabend. Johannes Wester und seine spielfreudige und solide groovende Band hatten mit "Good Times" und "Carry On Wayward Son" zwei effektvolle Titel mitgebracht, die sie hervorragend interpretierten. Die Big Band des Wirtemberg-Gymnasiums Stuttgart unter der Leitung von Martin Blum waren die Lokalmatadoren. Die klanglich sehr ausgewogene Band brillierte vor allem mit dem "Pink Panther Remix", einer völlig umarrangierten Rockversion des Klassikers, der der ganzen Band und auch dem Publikum sicht- und hörbar Spaß bereitete. Den Schlussakzent des ersten Konzertteils setzte die Big Band des Kopernikus-Gymnasiums Aalen-Wasseralfingen, die von Hans-Jörg Beiderwellen-Fuchs geleitet wird. Eine locker groovende Rhythmusgruppe und eine sichere Bläser-Section - für "Crocodile Rock" und dem Chicago-Klassiker "25 Or 6 To 4" erhielten die Wasseralfinger zu Recht großen Applaus.
Nach der Pause, war es dann so weit. Die SWR Big Band, eine der besten Big Bands, nicht nur in Deutschland, nominiert für vier Grammys, trat unter begeistertem Applaus auf die Bühne. Eigentlich hätten sie unter der Leitung der Jazzlegende Sammy Nestico auftreten sollen, doch ein Sturz ein paar Tage zuvor machte die Pläne zunichte. Der 86-jährige Nestico musste sofort in die USA zurückfliegen und so wurde die SWR Big Band stattdessen von Klaus Wagenleiter geleitet. Die Band hielt trotzdem an ihrem Sammy-Nestico-Programm fest, das fast ausschließlich aus Eigenkompositionen des legendären Komponisten und Arrangeurs bestand. Die Musiker ließen es sich aber nicht anmerken, dass der wichtige Mann vor der Band fehlte. Überdies angetrieben vom begeisterten Publikum zeigten sie, warum sie zu Recht für den Grammy nominiert wurden.
Die SWR Big Band sprühte geradezu vor Spielfreude und man merkte, dass die Musiker den begeisternden Auftritt von 2008 noch im Gedächtnis hatten. Es war beeindruckend zu hören, wie mühelos sie die sehr schwierigen Arrangements beherrschten, wie unglaublich präzise und homogen sie spielten und welch unterschiedliche Farben sie kreierten. Dafür waren nicht zuletzt die Saxofonisten verantwortlich, die oft auch Querflöten und Altflöten einsetzten. Dazu kamen die genialen Arrangements Nesticos, wie zum Beispiel "Orchids & Butterflies", eine in weiche Klangfarben getauchte Studie mit vielen wunderbaren Momenten, oder das beeindruckende "A Pair Of Aces", dem Feature für Klaus Graf am Altsaxofon und Marc Godfroid an der Posaune. Aber auch die anderen Solisten zeigten ihre Extraklasse und reihten sich danach wieder perfekt in den homogenen Klangkörper ein. So macht Bigband-Jazz beim Zuhören richtig Freude, und man muss sich keine Sorgen um den Jazz-Nachwuchs machen.
Anschließend spielten wieder Schüler-Bigbands und Profi-Bigband gemeinsam, und zwar wie am ersten Abend "Hallelujah, I Love Her So" von Ray Charles. Mit diesem tollen Bild von einer vollen Bühne und dem Sound von 80 Musikern ging das 12. Schülerjazzfestival zu Ende.
Das nächste Festival wird am 30. und 31. März 2011 an gleicher Stelle stattfinden. Man darf sich jetzt schon freuen auf begeisternde, swingende und groovende Musik, gespielt von engagierten und begeisterten jungen Menschen.
Jochen Scheytt
 
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