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Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg




Bericht vom 11. Schülerjazzfestival Stuttgart 2009
"Too darn hot" - zwei "heiße" Konzertabende mit Songs von Cole Porter
Stuttgart. Rund 200 Schülerinnen und Schüler spielten am 18. und 19. März unter dem Motto "Cole Porter" Jazz beim 11. Schülerjazzfestival an der Stuttgarter Musikhochschule.
Der Leiter der Festival-Bigband Wolf-Dieter Rahn stand für einen kurzen Moment etwas ratlos auf der Bühne des Konzertsaals der Stuttgarter Musikhochschule. Hinter ihm standen rund 100 Schülerinnen und Schüler mit ihren Instrumenten, und die 200 Zuschauer im Saal wollten einfach nicht aufhören zu klatschen. Nach kurzem Zögern wurde dann doch noch eine Zugabe gespielt. Danach durften die Schüler die Bühne verlassen und nach einem anstrengenden und erfolgreichen Tag die Heimreise antreten.
Angereist waren sie alle schon morgens, mit Bussen oder der S-Bahn, gespannt auf das was sie an diesem Tag an der Musikhochschule erwarten würde. Vier Stunden Workshoparbeit, eine lange Stellprobe, eine Festival-Bigband-Probe und ein zweistündiges Konzert lagen da noch vor ihnen. Acht Bands kamen insgesamt an beiden Tagen, die meisten aus der Region um Stuttgart, aber auch aus dem badischen Sasbach.
Am Mittwoch waren dies die Big Bands der Selma-Rosenfeld-Realschule Eppingen, des St. Meinrad-Gymnasiums Rottenburg, des Gymnasiums Rutesheim und des Albeck-Gymnasiums Sulz am Neckar. Am Donnerstag kamen die Big Bands des Mörike-Gymnasiums Göppingen, des Lise-Meitner-Gymnasiums Remseck, der Heimschule Lender Sasbach und des Wilhelms-Gymnasiums Stuttgart.
Die Konzeption des vom Jazzbeauftragten des Ministeriums Jochen Scheytt geleiteten Festivals sieht eine konsequente Durchmischung aller teilnehmenden Bands vor. In diesen neuen Besetzungen verbringen die Schüler den Tag und musizieren gemeinsam. Angeleitet werden sie dabei von namhaften Jazzmusikern, die fast alle an der Musikhochschule tätig sind. In diesem Jahr waren neben den schon seit vielen Jahren beim Festival aktiven Werner Acker, Uli Gutscher und Tilman Jäger auch zwei neue Dozenten mit an Bord: Michael Stauss und Eckhard Stromer. Diese Workshoparbeit wird in den abendlichen Konzerten dem Publikum präsentiert.
Mit einer Workshopband ging es auch los: die erste Band, die von Eckhard Stromer geleitet wurde, spielte mit "Easy to love" wie alle Workshopbands einen Titel von Cole Porter. So waren dann auch noch "Night and Day", "It's alright with me", "Too darn hot" und "I love you" zu hören. Die Workshopbands beeindruckten das Publikum dadurch, dass man es gar nicht hörte, dass die präsentierten Stücke in nur vier Stunden entstanden waren. Die Workshopleiter hatten da wieder tolle Arbeit geleistet. Aber auch im Vorfeld waren sie schon aktiv gewesen, in dem sie die Arrangements für die Workshopbands selbst geschrieben hatten. Dazu waren sie schon vor dem Festival von der Festivalleitung mit detaillierten Informationen über die Leistungsfähigkeit ihrer Bands versorgt worden, so dass alle Arrangements von den Schülern prima umgesetzt werden konnten.
Beeindruckend waren auch die Soli, die die Schülerinnen und Schüler bei den Workshopstücken spielten. Viele von ihnen hatten vorher noch nie ein freies Solo gespielt und taten dies nun mit Bravour, und das gleich vor einem so großen Publikum.
Die Schul-Bigbands konnten im Konzert drei Titel ihrer Wahl spielen. Die erste Band am Mittwoch, die Big Band der Realschule Eppingen war die erste Realschulband überhaupt beim Festival, wie Jochen Scheytt, der durch den Konzertabend führte, in seiner Anmoderation herausstellte. Dass sie sich nicht zu verstecken brauchten, bewiesen sie gleich mit ihrem ersten Titel "Blue Trane" von John Coltrane. Auch dieser Band werden die Arrangements auf den Leib geschneidert, und zwar von Ralf Köhler, ihrem Bandleader. Der zweite Titel "Mind the gap" stammte sogar ganz aus seiner Feder. Da hatte sich die Band dann richtig warm gespielt, um mit "Gimme some lovin'" zum Abschluss bluesbrothermäßig abzurocken.
Die Big Band des Albeck-Gymnasiums Sulz am Neckar hatte sich perfekt auf das Festival eingestellt, indem sie drei Cole-Porter-Songs mitgebracht hatte. Dabei beeindruckten die Schüler unter der Leitung von Martin Schneider vor allem mit der von ihrer Sängerin hervorragend interpretierten Gesangsnummer "I've got you under my skin". Aber auch das schwere Arrangement von "Love for Sale" im Latin-Rhythmus wurde von der Band sicher beherrscht und souverän vorgetragen.
Die Rottenburger Big Band vom St. Meinrad-Gymnasium wurde von Peter Lorenz geleitet und versprühte gleich beim ersten Titel "Play that funky music" ein rhythmisches Feuerwerk. Nach dem Cole-Porter-Stück "You'd be so nice to come home to" knüpften die Schüler mit "Copacabana" nahtlos an ihren Auftakttitel an und verschmolzen knackige Bläsersätze mit ihrer treibenden Rhythmusgruppe.
Als Abschluss des ersten Tags spielte die Big Band aus Rutesheim. Unter ihrem Leiter Wolf-Dieter Rahn begannen sie mit dem "James Bond Theme" und zeigten da gleich welch hervorragende Truppe sie mitgebracht hatten. Über der solide groovenden Rhythmusgruppe spielten die Bläser rhythmisch präzise und ausdrucksstark. Mit "Bill Bailey" setzten sie einen wirkungsvollen Schlusspunkt.
Die Festival-Bigband, bei der alle Schulen auf der Bühne versammelt waren, krönte, wie schon anfangs erwähnt, diesen schönen Konzertabend unter der Leitung von Wolf-Dieter Rahn mit Cole Porters "I've got you under my skin".
Der Konzertabend am Donnerstag begann mit der einzigen Stuttgarter Band beim diesjährigen Festival. Sie kam vom Wilhelms-Gymnasium in Degerloch und wurde geleitet von Nils Empacher. Mit "Gonna fly now" spielten sie zu Beginn gleich ein Stück, das die Leistungsfähigkeit der Band wirkungsvoll zur Geltung brachte. Nicht nur bei ihrem dritten Stück, ihrer Erkennungsmelodie "Louie, Louie", spürte man deutlich die Spielfreude der gut besetzten Band.
Die Big Band des Mörike-Gymnasiums Göppingen trat mit zwei Baritonsaxophonen an, die gleich im ersten Stück "Bari, Bari Good" gefeatured wurden und ihr Können zeigen konnten. Danach legte die Band unter der Leitung von Inga Steidinger noch zwei absolute Jazz-Klassiker auf: "St. Thomas" und "All of me". Dabei zeigte die Big Band, dass sie neben einer noch jungen, aber sicheren Rhythmusgruppe auch einen kompakten und klangschönen Bläsersatz besitzt.
Die LM All Stars Remseck waren als dritte Band an der Reihe. Die Leiterin Margret Heubach-Paucker kann aus einem wahren Füllhorn von Sängerinnen und Sängern schöpfen, und so sang bei den drei Titeln jedes Mal ein anderer Sänger. Nach dem Auftakt mit "Mr. Zoot Suit", gesungen von ihrer Sängerin und dem folgenden "Do nothin' till your hear from me", brachten sie mit ihrem letzten Titel "Just a Gigolo" den Saal zum Kochen. Wahre Beifallsstürme belohnten die Band, die neben ihrer variabel besetzten und groovenden Rhythmusgruppe auch über sehr gute Bläser verfügt.
Den weitesten Weg zum Festival hatten in diesem Jahr die Schülerinnen und Schüler aus Sasbach von der Heimschule Lender. Knapp dreißig Mitglieder umfasste die Band, von Joachim Rohrer geleitet, die für einen starken und wirkungsvollen Abschluss des Konzerts sorgte. Auch sie hatten extra für das Festival zwei Titel von Cole Porter in ihr Programm aufgenommen. Vor allem "Love for Sale" imponierte durch das sichere, sauber intonierte und gut durchgehörte Spiel auf hohem Niveau. Mit "Jumpin' at the Woodside", einer Count-Basie-Nummer, bewies die Band, dass sie auch einen schnellen Swing perfekt und sauber phrasieren kann.
Auch am zweiten Konzerttag trat wieder die Festival-Bigband auf, diesmal geleitet von Joachim Rohrer und brachte den gelungenen Konzertabend zu einem schönen Ende.
Jochen Scheytt lud die Zuhörer für das nächste Jahr wieder ein. Am 24. und 25. März 2010 wird das dann schon 12. Schülerjazzfestival an der Musikhochschule stattfinden. Ein Termin, den man sich gleich vormerken sollte.
Jochen Scheytt
 
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